Und weiter geht’s mit Teil 2 meines Berichts von der Wanderung durchs liebliche Taubertal. Wie bereits berichtet, hatte mir der Touristikverband ausführliches Infomaterial zusammengestellt, eine besonders große Hilfe waren die ausgedruckten Wanderkarten aus dem Wanderportal ALP mit dem eingezeichneten Weg. So war es für uns leichter den Überblick zu behalten. Unsere erste Wanderetappe führte uns von Wertheim bis nach Tauberbischofsheim, laut Plan 26 Kilometer. Ich bin noch nie so weit am Stück gelaufen und war gespannt, ob sich meine Joggerei in letzter Zeit irgendwie bezahlt machte. Ein letzter Blick auf die hübschen Fachwerkhäuser Wertheims und los ging es.

Wertheim war Startort unserer Wanderung

Die morgendliche Luft war angenehm frisch und die Rucksäcke noch ganz leicht auf unseren Schultern. So beschwingt folgten wir unserem vorgegebenem Weg steil nach oben an der Wertheimer Burg vorbei. Wir beschlossen die Burg am Rückweg in Ruhe zu besichtigen und uns lieber unserer langen Tagesetappe zu widmen. Der Weg zur Burg war gesäumt von duftenden Kräutern und von Schnittlauch über Salbei bis hin zu Minze luden die Pflanzen zum Schnuppern ein.

Eine mittelalterliche Lombard-Street (links)? Ich in Wandermontur (rechts o.). Duftender Salbei am Wegesrand (rechts u.).

An der Burg vorbei wurde der Weg immer mehr „Natur“ und wir genossen (trotz Heuschnupfen) den Duft der morgendlichen Felder. Schnell merkten wir, dass unser Weg überall durch kleine rote Schilder mit Wanderstiefeln gekennzeichnet war, die uns die komplette Wanderung über begleiten sollten. Ich fühlte mich ein bisschen wie bei einer Schnitzeljagd, immer auf der Suche nach dem nächsten Hinweisschild. Das Wetter war perfekt für uns: Um die 10 Grad, manchmal leichter Nieselregen, was uns vor Heuschnupfen und Sonnenbrand schützte.

Sattgrüne Felder soweit das Auge reicht (links). Immer den roten Stiefeln folgen (rechts o). Hurra, weg vom Alltag (rechts u).

Punkt 12 Uhr erreichten wir nach mehreren Stunden einsamer Wanderung (außer uns war scheinbar wirklich kein Mensch unterwegs) die nächste Stadt: Gamburg.

Kleine Entdeckungen überall und eine schwimmende Gänsefamilie begrüßt uns in Gamburg.

Unser Magen knurrte und ich brannte bereits darauf die lokalen Köstlichkeiten zu erforschen, weswegen wir gleich ins erste Lokal im Ort gingen, die „Schlupfe-Scheune„, ein uriger Gasthof, der tatsächlich in einer ehemaligen Scheune aufgebaut war. Die Einrichtung war einfach, aber liebevoll mit vielen Gegenständen von früher (alte Wagenräder an der Wand und antiquierte Bügeleisen auf dem Fensterbrett).

Marco wählte Salate von der kalten Theke und Cordon Bleu. Ich habe natürlich probiert, war ok, das Cordon Bleu knusprig gebraten mit herauslaufendem Käse (aber leider nicht selbstgemacht und die Salate frisch und teilweise selbstgemacht (leider ziemlich mayonnaise-lastig).

Für mich sollte es lokaler sein und so wählte ich die Grünkernsuppe. Eine gute Wahl! Grünkern wurde vor 300 Jahren im Taubertal entdeckt, als hungrige Bauern den Dinkel zu früh geerntet und im Backofen gedorrt haben. Sie entdeckte, dass die Körner lecker schmecken und so wird der „grüne Kern“ bis heute besonders gern in Suppenform serviert. Die Suppe schmeckte lecker würzig, leicht nussig und erdig nach Getreide. Die Konsistenz angenehm sämig.


Zum Nachtisch holte mein Schatz sich noch einen sensationell leckeren Apfelkuchen, bei dem wir uns nicht sicher waren, ob er selbergemacht war. Er schmeckte jedenfalls genial, sehr saftig, leicht zimtig und nach irgendeinem Schnaps.

Satt und zufrieden gings weiter, mal wieder einen steilen Weg nach oben zu einer Burg. Die Burg in Gamburg ist vollständig erhalten und sogar bewohnt. Die mögliche Führung haben wir aber aus Zeitgründen nicht gemacht. Besonders gut gefiel mir das Rapunzeltürmle, dass in der Nähe des Schlosses aus dem Wald ragte. Sehr märchenhaft!

Der Stoff aus dem die Märchen sind… das „Türmle“ am Krappentor
Die Gamburg ist noch gut in Schuss, an bestimmten Terminen kann man sogar eine Gespensterführung mitmachen.

An einem Stück Weide wurden wir neugierig von den Gamburger Kühen beobachtet. An einem Schild am Weidezaun erfuhren wir, dass es sich um spezielle Zebu-Rinder aus Asien handelt, die besonders gut geeignet für die Haltung an Steilhängen sind. Der örtliche Bioladen verkauft Milch- und Fleisch-Produkte von diesen schönen Tieren. Als mein Liebster frisches Gras pflückte, kamen die zutraulichen Tiere tatsächlich eins nach dem anderen angelaufen, bis die ganze Herde mit großen Augen darauf wartete bis wir weiteres Gras und Kräuter vom Wegrand anschleppten 🙂

So abgelenkt verpassten wir wohl eines der roten „Stiefelschilder“ und plötzlich waren wir komplett vom Weg abgekommen. Nach Gefühl schlugen wir den Weg durch den Wald ein, merkten aber schon, dass die Richtung nur ungefähr stimmte. Dazu  wurden die Rucksäcke nun doch langsam schwer und die Füße immer müder. Als der Wald aufhörte und wir uns an einer Landstraße orientieren konnten, entdeckten wir, dass wir einen relativ großen Umweg genommen hatten und mussten ein gutes Stück an der Landstraße entlang laufen bis wir endlich wieder die bekannten roten Schilder sahen. Glücklicherweise war auch auf der Straße wenig los und wir mussten nur zwei mal einem Auto Platz machen.Viele weitere Stunden wanderten wir so weiter bis endlich die Dächer Tauberbischofsheims am Horizont auftauchten. Der letzte Kilometer war der schwerste und mit rauchenden Füßen bestand ich immer häufiger auf eine Pause an einer der vielen Bänke am Wegrand. Zu allem Überfluss begann es dann auch noch zu regnen. Und endlich standen wir vor dem Hotel „Adlerhof“, unserer Unterkunft für heute. Leider waren die Türen verschlossen, aber auf einem Schild war eine Handynummer angegeben. Kurz angerufen und 5 Minuten später düste eine Frau im Auto heran und gab uns die Zimmerschlüssel.
Tipp: Wanderschuhe gleich an der Rezeption ausziehen und den restlichen Weg zum Zimmer in Socken gehen. Die Hotelbesitzer werden es euch danken, wenn sie nicht die Dreckklumpen hinter euch herkehren müssen!

Ich glaube, ich war noch nie so dankbar für eine heiße Dusche! Erst danach besah ich mir unser Zimmer: Es war ähnlich eingerichtet wie das gestrige in Wertheim. Eher einfach und vom Stil wie Omas Wohnzimmer, aber mit allem was man braucht, sogar eine Gratisflasche Wasser und Teekocher mit verschiedenen Teesorten. Der größte Vorteil des Hotels ist die zentrale Lage, in einer Minute ist man schon in der Fußgängerzone. Das war uns im Moment aber egal, denn wir mussten erst einmal unsere Füße ausruhen.

Gegen 18 Uhr trieb uns der Hunger dann doch aus dem Haus und wir schleppten uns bei leichtem Regen durch die (schon wieder) leere Innenstadt. Obwohl wir heute früher dran waren, waren nur wenige Menschen unterwegs und die Restaurants nur schlecht besucht. Das bei Tripadvisor empfohlene Restaurant hatte leider wegen dem Feiertag geschlossen, weshalb wir uns dann für das örtliche Steakhouse entschieden: „Arena“. Wir wurden sehr nett von der Kellnerin begrüßt, aber ein Blick auf die Karte warf Zweifel bei mir auf: Die Speisekarte war sehr ausführlich. Zu ausführlich. Ich finde es immer gefährlich wenn ein kleines Restaurant mit wenig Personal über 100 verschiedene Gerichte anbieten kann. Meine Befürchtung bewahrheitete sich leider: Aufgepepptes Tiefkühlessen! Marco hatte die Lasagne bestellt (definitiv TK, sah auch sehr nach Fertiggericht aus) und ich die Filetpfanne (Schweinefilet, Champignonrahmsoße und Spätzle). Diesmal hatte ich die bessere Wahl getroffen, denn auch wenn die Spätzle ein Fertigprodukt waren, schmeckte mein Pfännchen nicht schlecht und sah rein optisch auch noch schön aus. Insgesamt kann ich aber das Restaurant „Arena“ nicht weiterempfehlen, so leid es mir tut.

Obwohl die Füße noch nicht erholt waren, gingen wir noch ein bisschen die Fußgängerzone entlang und fragten eine Einheimische nach Kino und ähnlichem. Sie schüttelte nur den Kopf, soetwas gab es hier nicht. Also zurück ins Hotel, dort lief dann sogar noch eine recht nette Doku über Schottland und das beste war: Wir mussten nicht mehr laufen.

Auch den Bericht von dieser Etappe beende ich mit dem Frühstück am nächsten Tag: Wir wachten um 7.30 Uhr erstaunlich erholt auf. Ich merkte zwar deutlich die Belastung an den Füßen, aber sonst ging es mir gut. Sehr motivierend kam für mich dazu, dass die nächste Etappe nur 14 Kilometer lang war, also ein Pappenstil im Vergleich zu gestern. Das Frühstück im Adlerhof war lecker, reichhaltig und bot alles, was wir uns wünschten: frische Früchte, Wurst, Käse, Brötchen, Eier, Cerealien etc. Besonders hübsch fand ich die Eierwärmer, die kleine selbstgestrickte Mützen waren.

Fortsetzung folgt! Mehr Infos zum Wanderportal inkl. Vorschlägen für Wandertouren und Komplett-Pauschal-Pakete findet ihr unter www.WanderSüden.de. Mehr über die Gegend, die wir bewandert haben unter www.liebliches-taubertal.de.


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One Thought on “Genußwanderung Liebliches Taubertal – Tag 2: Tauberbischofsheim

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