„Wenn ich mir dein Blog so ansehe, glaube ich, dass du in deinem Job nicht genug ausgelastet bist“. Welcher aktive Blogger kennt diese Sticheleien nicht? Normalerweise lächle ich über solche Aussagen hinweg, aber die gefühlt hundertste in diese Richtigung hat mein Fass zum überlaufen gebracht und ich möchte mich an dieser Stelle einmal öffentlich zu dem Thema äußern.
Kurz zum Hintergrund: Ich arbeite hauptberuflich in der Unternehmenskommunikation eines großen Optikunternehmens. Ich bin in diesem Unternehmen bereits über 10 Jahre beschäftigt, arbeite in einem tollen Team und habe abwechslungsreiche spannende Aufgaben, die mir viel Spaß machen. Die meiste Zeit sitze ich in meinem Job am Computer. Und trotzdem werfe ich abends und am Wochenende zu Hause nochmal mein Notebook an und verbringe viele Stunden mit Bloggen.

Deshalb hier 4 Gründe warum ich (trotz Vollzeitjob) blogge:

Work-Life-Balance?!
http://www.mweidenauer-photographie.de

Ja, ich sitze bei beiden Tätigkeiten am Bildschirm. Na und? Ich bin mit dem PC aufgewachsen, habe als Kind Jump-and-Run-Spiele gezockt, als Jugendliche die Chatrooms unsicher gemacht und auch jetzt läuft bei mir daheim fast IMMER mein Notebook. Ich höre damit Musik, sehe damit fern, kommuniziere mit meinen Freunden und natürlich blogge ich damit auch. So wie ich im Job zum Beispiel auch viel spreche, habe ich kein Problem damit, dies in meiner Freizeit auch weiter zu tun, weil es für mich völlig natürlich ist. Außerdem gehört zu meinem Hobby ja auch das Backen, Kochen und Genießen und das ist für mich besser wie jede Meditation. Und zum Thema „Auslastung“: Muss mein Job mich denn tatsächlich so auspowern, so fix und fertig machen, dass ich abends nur noch nach Hause krieche, mich aufs Sofa werfe und maximal dazu fähig bin, wie ein Zombie auf den Fernseher zu starren? Ich sage ganz klar: NEIN! Überall hört man von der viel gelobten Work-Life-Balance und ich versuche diese so gut wie möglich zu leben. Bitte nicht falsch verstehen. Ich liebe meinen Hauptjob bin dort auch sehr engagiert dabei. Und weil mir dieser Job so viel Spaß macht, empfinde ich ihn auch nicht als kraftraubend oder auszehrend, sondern habe außerhalb davon sogar noch Power für Hobbies.

Der Flow

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Schon mal ein Flow-Erlebnis gehabt? Vielleicht kennt ihr den Begriff auch aus den Medien. Sportler und Gamer erleben es häufiger, viele sind auf der Jagd danach: Das Flow-Gefühl! Flow bezeichnet das Glücksgefühl eines mentalen Zustandes völliger Konzentration und in einer Tätigkeit, die wie von selbst vor sich geht. Ihr kennt das bestimmt, wenn ihr so in etwas vertieft wart, dass ihr irgendwann auf die Uhr seht und plötzlich merkt, dass ihr stundenlang dieser Tätigkeit nachgegangen seid ohne darüber nachzudenken. Dieses Flow-Gefühl erlebe ich beim Bloggen sehr oft. Wenn ich vertieft ins Verfassen eines Blogposts bin, fliegt die Zeit nur so dahin und ich denke an nichts anderes, nicht mal an Schokolade und das will was heißen 🙂 Und Glücksgefühle motivieren weiterzumachen, weil man immer wieder dieses Glücksgefühl erleben will. So einfach.

Motivation durch Ergebnis

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Es ist unheimlich befriedigend für mich, den „Veröffentlichen“-Knopf zu drücken. Hinter jedem Blogpost steckt einiges an Arbeit. Zuerst recherchiere ich für neue Themen, kaufe ein, bereite in der Küche zu, fotografiere, bearbeite die Bilder, texte, korrigiere usw. Wenn ich den Beitrag dann in die Öffentlichkeit entlasse, ist das jedes Mal ein tolles Gefühl. Ich klicke dann oft während des Tages immer wieder zurück auf den Beitrag und bestaune wie er aussieht. Ich habe einfach ein fertiges Ergebnis, ein abgeschlossenes Miniprojekt. Was dann folgt ist für mich bereits der nächste Punkt:

Motivation durch Feedback

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Ich teile meine Blogposts auf meinen Kanälen in verschiedenen sozialen Medien, in Facebookgruppen, in Foren usw. Warum der Aufwand, der Blogpost allein ist doch jetzt fertig? Na, weil ich süchtig nach Feedback bin. Ich liebe diese kleinen „Gefällt mirs“, jeden Kommentar, jeden Sprung in der Klickzahlenkurve bei Google Analytics. Diese digitale Aufmerksamkeit ist einfach wunderbar! Nur so weiß ich, dass ich mit meiner Begeisterung über meinen Post nicht alleine bin, sondern dass es andere interessiert was ich mache, dass sie es gut finden und manchmal sogar etwas für ihr Leben darauf mitnehmen. Wenn mir jemand ein Foto eines nachgekochten Kochliebe-Rezepts schickt, hebt das meine Stimmungskurve über mehrere Minuten lang. Diese Hauptmotivation von mir, die mich sogar an den schlechten Tagen immer wieder zum weitermachen antreibt, seht ihr, wenn ihr in den Spiegel schaut. Ihr meine Leser seid für mich wie Popeyes Spinat. Danke dafür!

Gibt es bessere Gründe für ein Hobby, für eine Leidenschaft? Für mich nicht 🙂

PS: Ihr habt es (hoffentlich) gar nicht gemerkt: Heute ist der letzte Tag meiner einwöchtigen Blogpause. Alle Artikel die diese Woche erschienen sind, habe ich bereits im Voraus geschrieben und per Planungsfunktion meines Blogs automatisch veröffentlicht. Statt dessen befand ich mich die ganze Woche im sonnigen Ägypten beim Sonnetanken, Tauchen und Entspannen. So wie ich mich kenne, bin ich jetzt schon wieder ganz kribbelig und kann es kaum erwarten, endlich wieder weiterzubloggen. Bis morgen 😉

Nachtrag (12.01.2015): Ich bin überwältigt von den tollen Kommentaren von euch! Damit hatte ich nicht gerechnet, da hab ich wohl einen Nerv getroffen. Wer mag, kann gerne seine Lieblings-Aussagen mit dem Hashtag #dingediebloggerhören twittern!

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21 Thoughts on “Sind Teilzeitblogger in ihrem Hauptjob nicht ausgelastet?

  1. Für mich der beste Beitrag des Tages. Ich bin auch Teilzeit-Blogger und möchte diesen Teil meines Lebens nicht missen. Du hast das Thema voll auf den Punkt gebracht. Vielen Dank dafür. Und ich hoffe, wir dürfen uns noch lange an Deinem Blog erfreuen.

    Liebe Grüße
    Kathleen

  2. Liebe Julia,
    das trifft den Nagel auf den Kopf! Wie recht Du hast!!!

    Ich höre immer „Du hast zuviel Zeit“ oder „Musst Du Zeit haben“! Da flippe ich aus!!

    Hoffe Du hast Dich im Urlaub gut erholt und wünsche Dir einen guten Start in Alltag.

    Viele liebe Grüße
    Anja

    • kochliebe on 12. Januar 2015 at 9:24 said:

      Danke liebe Anja! Ich bin gut zurück und obwohl wir die ganze Nacht unterwegs waren, kann ich nicht mehr schlafen und nutze die Zeit lieber für meine Bloggerei und eure Kommentare 🙂 Unverbesserlich halt.
      Liebste Grüße
      Julia

  3. Nadine on 11. Januar 2015 at 23:05 said:

    Hallöchen,
    vielen Dank für diesen Blog-Beitrag.
    Ich habe in letzter Zeit auch hin und wieder das Gefühl mich für meine Hobbies rechtfertigen zu müssen (ich blogge nicht), aber nur weil ich meine Prioritäten anders setze, heißt das noch lange nicht, dass ich faul in meinem Job bin oder viel mehr Zeit habe als andere. Mit zeitintensiven Hobbies assoziiert man ja leider sofort das Aufderstreckebleiben anderer wichtiger Dinge. Aber das stimmt nun mal nicht, wir kriegen eben beides unter einen Hut. Unsere Freizeit sollten wir so nutzen dürfen, wie wir wollen und nicht wie andere sich das vorstellen!
    Außerdem wollte ich Dir noch ein Lob für Deinen gesamten Blog aussprechen, den ich erst vor wenigen Tagen entdeckt habe und nun sehr gespannt bin, was ich hier noch so entdecken werde.
    Sehr wertvoll sind für mich Deine „regionalen“ Posts. Da wir praktisch aus der gleichen Gegend kommen, weiß ich dann auch gleich, von welchem Marktstand etc. Du da sprichst. 😀
    Mach weiter so!
    Grüßle

    • kochliebe on 12. Januar 2015 at 9:00 said:

      Liebe Nadine,
      vielen Dank für deine unterstützenden Worte. Es stimmt, es gibt da so manche Hobbys, die recht zeitaufwändig sind – dann kannst du ja mitfühlen 🙂 Klasse, wenn du zu den regionalen Sachen noch Fragen hast oder eigene Erfahrungen, immer gerne kommentieren, das ist sehr wertvoll für mich!
      Liebe Grüße
      Julia

  4. Da hast du wirklich 4 wunderbare Gründe genannt, warum man trotz Vollzeitjob, bloggen kann/sollte/will.
    Ich überlege auch schon länger einen solchen Post zu verfassen, da ich auch oft höre, dass ich viel zu viel Zeit vor dem PC verbringe. Obwohl das so nicht ganz stimmt, denn ich arbeite die meisten meiner Posts dann vor, wenn ich gerade Zeit habe. So schreibe ich immer 2-3 Posts und die gehen dann automatisch dann online, wenn ich es will. Wenn ich mal keine Zeit oder Lust habe, dann kommt eben nichts online. Ich bin nun mal Mutter, was heißt, ich habe einen 24/7 Job, der nie aufhört. Man muss eben wissen, wie man seine Zeit einteilt und welches Hobby man wählen mag. Ich könnte genauso gut Reiten gehen, malen oder Stricken. Oder aber ich verbinde meine sonstigen Hobbys mit meiner Leidenschaft: Dem Bloggen! Vielleicht sollte ich den Post zu dem Thema doch in Angriff nehmen, denn mein Kommentar hier wird immer länger lol
    Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg mit deinem Blog, deinem Job und allem anderen.

    Lg Anna
    http://www.the-anna-diaries.de

    • kochliebe on 12. Januar 2015 at 9:34 said:

      Liebe Anna,
      habe eben mal ein bisschen in deinem Blog gestöbert! Wir ticken da wohl ziemlich ähnlich, Respekt für die vielen Buchrezensionen („Waaaaas? Du liest die Bücher auch noch alle? Dann brauchst du ja noch mehr Zeit für dein Hobby!“ 🙂 Ich hör sie schon reden…).
      Danke für den ausführlichen Kommentar, schön, dass es engangierte Menschen wie dich gibt!
      Liebe Grüße
      Julia

      • Klar 😀 Das ist der Hauptgrund, warum sich bei mir beschwert wird. Ich lese viel, ich bastele und backe. Dass das Backen und Basteln mit Kind gemacht wird, wird gerne übersehen. Das ich meistens Nachts lese oder nachdem der Haushalt erledigt ist und Kind noch im Kindergarten, ist auch egal. Was die meisten stört sind glaub ich die Events. Da kommts vor, dass ich 2 Tage in Frankfurt bin für die Buchmesse oder 3 Tage in Bonn für die RingCon. Allerdings ist Kind ja immer versorgt und nur weil ich Mutter bin, muss ich mein Leben nicht aufgeben ^^ Ich denke, dazu sollte ich wirklich mal einen Post machen. Solche Aussagen häufen sich leider wirklich immer an.

        • kochliebe on 12. Januar 2015 at 10:17 said:

          Lol, das kenn ich. Ich nutze auch gern die Zeit abends (wenn andere fernsehen) um zu lesen und zu bloggen. Komisch, wenn jemand sagt „Ich hau mich jeden Abend ab 18 Uhr vor die Glotze bis ich einschlafe“ antwortet niemand „Hast du zuviel Zeit oder was?“

  5. Vielen Dank für diesen tollen Post! Ich bin auch oft in „Erklärungsnot“, wenn mich Freunde fragen warum ich denn nach der Arbeit lieber am Notebook Beiträge verfasse, anstatt mich zu entspannen. Und immer wieder versuche ich ihnen klar zumachen, dass genau das für mich Entspannung ist :).
    Momentan ist das beste was ich zu hören bekomme, ich bin schwanger, dass ich wenn das Baby dann da ist, sowieso zu nichts mehr komme – da kann ich meinen Blog ja jetzt schon aufgeben. Jaja – da muss ich immer nur schmunzeln und an die vielen Mama/Familienblogs denken :). Das weckt doch auch den Ehrgeiz und man möchte beweisen: Und es geht doch ;).

    Ich wünsche dir eine tolle Woche in deinem Job und beim Bloggen,
    Klaudia

    • kochliebe on 12. Januar 2015 at 9:48 said:

      Liebe Klaudia. Wenn ich mir die Kommentare so ansehe, ist das aber schon auch ein bisschen ein Frauending. Besonders junge Frauen müssen sich rechtfertigen, für das was sie in ihrer Freizeit tun. Schon irgendwie krass. Schön, dass du es auch trotzdem so durchziehst und bin mir sicher, dass deinen Blog auch nach der Geburt noch viele schöne Blogposts zieren werden!
      Liebe Grüße
      Julia

  6. Lach, zu gut kenne ich das und die Steigerung davon. Ich bin Vollzeit-Berufsblogger. „Wie, du sitzt den ganzen Tag zuhause vorm Computer?“ – „Ja, gerne sogar!“ – „Ähm, und wann arbeitest du?“ *gröhl*. Bei näheren Erklärungen, warum ich meine Freizeit (fast) so gestalten kann, wie ich Lust habe, Backen, Kochen und Dinge für die Kamera inszeniere, kommen dann auch immer recht lustige Kommentare, über die ich mich amüsieren kann. Denn ich für mich habe den geilsten Job überhaupt gefunden. LG, Stephanie

  7. Wie wahr!
    Ich höre das öfter, aber eher so, ob ich sonst nichts zu tun habe,..das sei ja nicht wichtig,..blablabla.
    Meine Antwort ist meist standardisiert indem ich darauf hinweise dass ich dafür wenig bis gar nicht fernsehe und bloggen schließlich bildet..oder etwa nicht?

    lg. Sina

  8. Nicole on 12. Januar 2015 at 13:41 said:

    Hallo Julia,

    ich kenne solche Kommentare auch, ich habe zwei kleine Kinder und bin selbstständig. Für mich ist das Entspannung und in der Elternzeit (da habe ich meinen Blog angefangen) wurde mein Hirn so aktiv gehalten und hat mich aus meiner Parallelwelt herausgeholt.

    Meine Freunde profitieren davon, denn sie „müssen“ immer Probe essen, wenn ich ein neues Kochbuch rezensiere…

    Diese Sprüche kommen von Menschen, die vielleicht selber bloggen würden und sich aber nicht aufraffen können. Gerne genommen auch der Satz: „Das liest doch niemand“!
    Also eine Mischung aus Neid, Ahnungslosigkeit und Unverständnis. Ignorieren!

    Also: calm down and blog on!!!!

    Schönste Grüße aus Berlin,
    Nicole

  9. Oh ja das kenne ich auch sehr gut. 2 Kinder Teilzeitjob, Haushalt, Alltag und Bloggen. Wie machst du das nur? Wann hast du die Zeit? Sind nur einige Fragen die ich immer wieder höre. Im letzten Jahr muss ich zugeben, dass ich zu 99#5 aus dem Bauch heraus gebloggt habe. Ein Vorsatz dür 2015 war/ist, das bloggen in meine Woche mit einzuplanen und bisher klappt es so…naja…aus dem Bauch heraus, aber es wird besser.
    Du hast die Zeilen wirklich toll geschrieben, dankeschön dafür
    lg steffi

  10. Hallo Julia,

    toller Beitrag. Für viele Menschen ist es eben nicht verständlich, wie jemand „sich so was antut“. Nein, also wirklich! Ich tu mir auch so manches an: Einen Garten! Katzen! Anfahrt zur Arbeit 30km! Nebenbei studieren! Nähen! Bücher lesen, „die doch gar nichts mit dem zu tun haben, was du beruflich machst“! Und jetzt bloggt sie auch noch …

    Lass Dich nicht beirren. Bloggen macht glücklich. Und für Glück ist immer Zeit.

    Liebe Grüße
    vom Zweckstoff : )

    • kochliebe on 13. Januar 2015 at 13:17 said:

      Liebste Anna, danke für den lieben Kommentar, wie gut wenn einen die engsten Kollegen bei den Thema verstehen! Und wenn ich mir deine Liste so ansehe, merke ich, es gibt doch wirklich Menschen die haben jeden Tag eine noch längere To-Do Liste als ich 🙂 Gut so, dann wird mein Traum vom eigenen Hund vielleicht doch irgendwann mal was.
      Liebe Grüße
      Julia

  11. Andrea Pitschinetz on 13. Januar 2015 at 17:27 said:

    Hallo Julia,

    ich bin durch Zufall auf deinen Blog gestoßen und finde klasse was du machst! Da kannst du wirklich stolz darauf sein!
    Und alle die denken, dir wäre langweilig bei der Arbeit, die sind selbst nur zu faul nach Feierabend den Allerwertesten von der Couch zu bekommen.

    Du machst absolut alles richtig und ich freue mich bald mal etwas nach zu kochen :-).

    Liebe Grüße
    Andrea

    • kochliebe on 14. Januar 2015 at 7:05 said:

      Liebe Andrea,
      das ist ja toll, ich freu mich immer, wenn Leute aus meinem Leben 1.0 auf dem Blog landen! Komm gerne öfter vorbei, ich freue mich immer über Kommentare!
      Liebe Grüße
      Julia

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