Ich schulde euch noch die Fortsetzung meines Wanderberichts. Wer erst jetzt mitliest, hier sind Teil 1 und Teil 2. Am dritten Tag unserer Kurzreise durchs Taubertal sollte es nach Beckstein gehen. Am Tag zuvor hatten wir ja mit 28 km die längste Wanderetappe hinter uns gebracht und waren nun froh über das kürzere Wegstück. Das wir trotzdem noch sehr viel auf den Beinen sein werden, ahnten wir am frühen Morgen noch nicht 🙂

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Die Innenstadt von Tauberbischofsheim war hübsch aber etwas verlassen.

Vor lauter morgendlichem Elan beschlossen wir, noch eine Zusatzrunde einzulegen und Tauberbischofsheim ohne Regen zu besichtigen. Heute war tatsächlich etwas mehr los und am Marktplatz sogar einige Stände des Wochenmarktes aufgebaut. Noch kurz die große Tauberbischofsheimer Kirche besichtigt, die von innen noch eindrucksvoller ist, als von außen und weiter gings (mal wieder den Berg hoch) Richtung Lauda.

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Tauberbischofsheim vom Wanderweg aus gesehen

Wir machten wieder aktiven Gebrauch von den Wanderkarten, die uns der Tourismusverband mitgegeben hatte und kamen so durch wunderschöne Natur, blühende Wiesen und herrliche Wälder. Leider war der Heuschnupfen an dem Tag bei uns beiden deutlich stärker und wir mussten trotz Tabletten immer wieder unsere Tempos herausholen. Auf den Wanderwegen waren wir wie schon die Tage zuvor nahezu die Einzigen, obwohl die Landschaft so wunderschön war. Mittlerweile störte uns das aber gar nicht mehr, im Gegenteil. Diese Ruhe und Ungestörtheit ist unglaublich erholsam. Ein echter Geheimtipp! Zwischendurch trafen wir auf einen Einheimischen beim Holzhacken, der uns gleich freudestrahlend einen Ferienwohnungsflyer in die Hand drückte. Scheinbar wird das Gebiet gerade erst touristisch erschlossen, die Einheimischen sind jedenfalls vorbereitet. Wir gingen weiter über Felder und vom Regen recht matschig gewordenen Wiesenwegen. Der Dreck spritzte manchmal bis hoch an die Knie, was mir aber dank meiner supertollen wasserdichten Wanderschuhe nichts ausmachte.

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Grüne Wiesen soweit das Auge reicht (li.), Matschparty im Wald (mi. o.), Hand in Hand wandert sichs schöner (mi. u.), im Wald die Blätter rauschen hören (re.)

Wir hatten uns in Tauberbischofsheim noch beim Bäcker einen Nussstriezel und eine Käsestange besorgt, die verputzten wir dann in einer Pause auf einer Bank. Immer weiter folgten wir den roten „Panorama-Weg“ Schildern und sahen die ersten Häuser von Lauda. Wie gut, dann wir merkten nun wieder unsere schmerzenden Füße, die solche Belastungen natürlich nicht gewohnt waren. Und plötzlich sahen wir keine roten Schilder mehr. Wir hatten uns verlaufen. Dabei wollte ich doch in Lauda schön einen Cappuccino trinken gehen! Ein Blick auf die Wanderkarte zeigte uns, dass wir wieder ein ganzes Stück zurück mussten. Wir nahmen eine Abkürzung über eine steile Treppe, die mitten durch einen Weinberg führte (Wahnsinn, was für riesige Flächen die Weinbauern hier beackern müssen!) und wanderten durch eine große Wohnsiedlung zurück zum Stadttor.

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Seit über einem Jahrtausend wird im Taubertal Wein angebaut (li.), die Treppe durch den Weinberg war unsere Abkürzung (mi.), Nusstriezel als Wegzehrung (re. o.), endlich das Stadttor von Lauda (re. u.).

Im Stadtzentrum wurde überall fleißig an Ständen gebaut und ein Schild zeigt uns: Hier findet abends noch ein großes Weinfest statt. Wie schade, dass wir nicht hier, sondern im benachbarten Beckstein übernachten würden! Als Entschädigung bekam ich dann doch noch meine Kaffee-Spezialität und sogar besser als Cappuccino. Im Café Weber (eine Kette wie bei uns der Mack) gab es für mich einen Mandel-Macchiato, Rhabarber-Streuselkuchen und für Marco frischgepressten O-Saft, Cappuccino und Kirsch-Schmand-Kuchen. Herrlich!

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Eine lustige Gruppe Radfahrer bat uns um ein Gruppenfoto (li. o.), zwei Hexen am Brunnen hihi (li. u.), Kirsch-Schmand-Kuchen (re. o.), Rhabarber-Streuselkuchen (re. u.)

Das letzte Stück Weg nach Beckstein führte (wie könnte es auch anders sein) nach oben. Die Etappe bis nach Beckstein war anstrengend aber landschaftlich wunderschön:

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Die Schönheiten der Natur zeigen sich hier an jeder Ecke.

Und endlich standen wir vor dem Weinhotel „Benz“, unserer Unterkunft für heute Nacht. Das Hotel ist sehr modern gebaut und durch die Hanglage thront es geradezu über dem idyllischen Örtchen Beckstein. Die Türen waren leider verschlossen, aber die Türklingel war direkt mit dem Handy der Besitzerin verbunden und so fuhr sie nach 2 Minuten her und lies uns herein. Die Rezeption war eindrucksvoll gestaltet, sehr modern, aber trotzdem charmant mit vielen Einflüssen des Weinguts. Frau Benz führte uns die Treppen hoch zu unserem Zimmer, das uns den Atem verschlug. Es sah aus wie frisch renoviert, liebevoll eingerichtet mit modernen Elementen und durchs Fenster ein Blick auf Weinberge und ins Tal des Ortes. Das Bad war ebenfalls ganz neu und einfach schön, mit großer Dusche, Fön und duftendem Duschgel. Auf den Kopfkissen lagen selbstgemachte Pralinen (ICH LIEBE SOWAS!) und auf dem Tisch stand zur Begrüßung eine Flasche Selters und eine kleine Flasche Wein, natürlich vom Weingut selbst (habe ich schon gesagt, dass ich sowas LIEBE?). Das ist mal ein Hotel in das ich jederzeit wieder gehen würde!

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Eindrücke vom Weinhotel Benz – Dahin gehe ich jederzeit gerne wieder!

Nun aber schnell duschen und umziehen, denn in 50 Minuten mussten wir schon am „Weingut Benz“ sein, dort durften wir nämlich an einer Weinprobe teilnehmen. Da das Weingut aber 30 Gehminuten entfernt war blieb nicht viel Zeit. Trotzdem schafften wir es sogar noch unsere dreckverspritzten Klamotten in der Dusche auszuwaschen und uns selber frisch zu machen. Vor dem Hotel gab es sogar eine Station mit Wasserhahn und Wurzelbürste, wo wir unsere Wanderschuhe putzen konnten (für solche Extras ist man als Wanderer wirklich dankbar!) und ab gings Richtung Weingut. Auf die Minute genau kamen wir dort an und setzten uns Mitten in die bereits angeregt schnatternde Reisegruppe, die ebenfalls an der Weinprobe teilnehmen würde. Sagen wir mal so, wir senkten den Altersdurchschnitt am Tisch drastisch, aber die Leute waren nett und aufgeschlossen und wir unterhielten uns gut mit ihnen. Die Weinprobe wurde dann von der Tochter des Hauses geleitet, was auf den ersten Blick etwas seltsam war, denn ihr Bäuchlein verriet zweifelfrei eine Schwangerschaft. Zu meiner Beruhigung hielt sie selbst ihr Weinglas nur zum Riechen und Erklären in der Hand, trank also nicht daraus. Die Weinvorstellung war sehr professionell und nach und nach wurden uns fünf Weine vorgestellt: Immer zuerst Sehen (Farbe des Weins), dann Riechen und schließlich Schmecken. Während der einzelnen Schritte erkärte sie uns ausführlich die Geschichte der Weinsorte mit Details zu Aroma und Trinkgelegenheit der Weine. Auf jede Frage hatte sie eine detaillierte Antwort und wir erfuhren sogar, warum man dort in den sonst nur fränkischen Bocksbeutel abfüllen darf. Zur Geschmacksneutralisierung standen Brotscheiben und Wasser auf dem Tisch. Folgende Weine durften wir kosten:

  • Müller-Thurgau: ein fruchtiger trockener Weißwein, der uns von allen am besten geschmeckt hat. Schön würzig und trotzdem spritzig (fast wie Riesling) mit dem Duft von Mirabellen
  • Tauberschwarz Rotwein: ein sehr trockener Wein, schmeckt nach dunkler Kirsche, sehr intensiv im Aroma. War uns aber zu trocken.
  • Schwarzriesling Rotwein: dieser Wein war leichter als der vorige, ein halbtrockener Rotwein mit leichter Süße
  • Schwarzriesling Weißherbst: Ein Roséwein mit leichtem Geschmack nach Erdbeere. Schön spritzig, aber irgendwie kam er trotzdem nicht an den ersten heran.
  • Kerner Spätlese: Hui, sehr süffig. Typisch Spätlese ist der Wein sehr süß, mit leichtem Aroma von Maracuja. Ich fand ihn lecker, Marco war er zu süß.
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Weinprobe im Weingut Benz: Die wissen wie man guten Wein macht!

Nach gut einer Stunde war die Probe vorbei und man konnte nach Belieben noch Wein einkaufen. Da die Preise für die Weine absolut in Ordnung waren (zw. 6,50 und 8,50€ pro Flasche) hätten wir das auch gern, aber da wir jede Flasche in unserem Rucksack hätten tragen müssen, entschieden wir uns doch dagegen. Wer Lust auf die Weine bekommen hat, kann sich ja mal im Onlineshop des Weinguts umsehen.

Zurück am Hotel erfuhren wir, dass es einen Shuttlebus zum Weinfest in Lauda gab. Juhu! Wir hatten ja bereits am Mittag sehnsüchtig den Aufbau beobachtet und freuten uns sehr, nun doch am Fest teilnehmen zu können. Zuvor legten wir uns aber für 2 Stunden aufs Ohr und erholten unsere schmerzenden Glieder. Um halb 8 kam dann pünktlich der Bus und sammelte uns und andere Becksteiner ein. Nach nur 10 Minuten stiegen wir in Lauda aus und stürzten uns ins Getümmel. Überall waren verschiedene Stände mit Essen und Trinken aufgebaut und an verschiedenen Ecken spielten Bands und sorgten für eine tolle Atmosphäre. Mittlerweile waren wir sehr hungrig und ich erspähte einen türkischen Stand, wo ganz frisch türkische Spezialitäten hergestellt wurden. Ich bestellte mir Lahmacun und Marco einen Döner (hier wurde das Fleisch einzeln auf kleinen Spießen gegrillt!). Wie erwartet war es sehr lecker, beides (ich hab natürlich bei Marco probiert) schön würzig mit leichter Schärfe. So schlenderten wir weiter, bestellten uns noch einen Gerlachsheimer Herrenberg Müller-Thurgau (den kannten wir ja jetzt von der Weinprobe) und einen Becksteiner Winzer sweet (sehr süßer aber leckerer Weißwein!) und genossen die Stimmung.

PicMonkey Collage9Immer wieder holten wir uns an den Ständen kleine Leckereien (z.B. Käsewürfel mit Trauben und Crackern) und Weine und lernten schließlich zwei Einheimische kennen mit denen wir ins Plaudern kamen. Die beiden stellten uns dann auch immer wieder andere Einheimisch vor, so dass sich ein nettes Gespräch entwickelte bei dem wir auch immer wieder mit dem süffigen Taubertaler Wein anstießen. Die Zeit verging wie im Flug und als es dunkel und kühler wurde wechselten wir in einen gemütlichen Innenhof, der mit Heizpilzen und Biertischgarnituren zum Verweilen einlud. Natürlich gab es auch hier wieder eine Weinbar und unsere beiden neuen Bekannten, Rita und Christian erzählten uns viel über die Gegend und Land und Leute. Um 0:20 Uhr sprang ich erschrocken auf. Unser Bus fuhr um 0:30 Uhr! Schnell und doch herzlich verabschiedeten wir uns von den beiden und rannten zum Bus. Marco schaffte es sogar beim Rennen noch ein Stück Pizza zu kaufen 🙂 Punkt halb erreichten wir den Bus und warfen uns weinseelig in die Sitze. Das Hotel erreichten wir sprichwörtlich wie im Traum und fielen dann todmüde in die Betten.

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Fortsetzung folgt! Mehr Infos zum Wanderportal inkl. Vorschlägen für Wandertouren und Komplett-Pauschal-Pakete findet ihr unter www.WanderSüden.de. Mehr über die Gegend, die wir bewandert haben unter www.liebliches-taubertal.de.



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